Bühnenspielgemeinschaft im Kölner Männer-Gesang-Verein

Cäcilia Wolkenburg 2008 "Ne Kölsche als Edelmann"

 

Gründungsjahr 1874
"Cäcilia Wolkenburg" ("Zillche") heißt die Theaterabteilung, offiziell Bühnenspielgemeinschaft des 1842 gegründeten Kölner Männer-Gesang-Vereins (KMGV).

Dieser traditionelle Name, der Bühnenspielgemeinschaft, die 1874 ihre ersten Vorstellungen gab, geht auf das damals soeben erworbene Vereinhaus "Wolkenburg" inmitten der Kölner Innenstadt zurück.

Während der Karnevalszeit führt die Bühnenspielgemeinschaft im Opernhaus ein "Divertissementchen" auf. Hierbei handelt es sich um eine ganz eigene Art von Musiktheater, der Operette oder mehr noch dem älteren Vaudeville verwandt, Theaterstücke mit Musik und Tanz, die meistens ein Ereignis aus der Stadtgeschichte auf komisch-parodistische Weise darstellen.

Diese belustigenden Theaterstücke haben nun vor allem zwei ganz typische Merkmale: Es wird darin ausschließlich im kölnischen Dialekt gesprochen und gesungen und, zweitens, werden sämtliche Rollen, auch die der Frauen, von Männern dargestellt - sogar die der Balletttänzerinnen. Bei allen handelt es sich, wohlgemerkt, um Laien.

In fest gefügter Organisation läuft das ganze Unternehmen mit seinem regelmäßig wiederkehrenden Ritual von der Vorstellung eines neuen Stückes, das im nächsten Jahr gespielt werden soll, über die Besetzung und Einstudierung bis zu den Proben und Aufführungen. All dies macht ein solches Maß an Präzision erforderlich, dass man schon von Professionalisierung sprechen könnte.

Wie bei den Autoren der Stücke, die oft schon lange Erfahrung mit der Dramaturgie dieser ganz originellen Art von Theater zurückgreifen können, haben sich auch bei den Darstellern bestimmte Typen herausgebildet. Es gibt Stars und Chargen, solche die bevorzugt Frauen spielen, komische alte oder jugendliche Liebhaber, Darsteller, die manchmal schon ein gehöriges Maß an Routine in die Waagschale werfen können. Im Übrigen ist der Zugang zur Mitwirkung für alle schauspielerischen Begabungen im Kölner Männer-Gesang-Verein offen: Talente sind immer gefragt und erhalten ihre Chance.

Hier ist zu unterstreichen, dass die Schauspieler, Sänger und Tänzer, obwohl sämtlich Laien, durchaus von "richtigen" Regisseuren, Ballettmeistern und Dirigenten, Profis also, angeleitet und geführt werden. Auch Bühnenbilder und Kostüme werden von Fachkräften erstellt. Nicht zuletzt diesem Umstand ist es zu verdanken, dass trotz aller Komik, wie sie schon durch die Darstellung von Frauen durch Männer nahe liegt, keine schwankselige Albernheit à la "Charlies Tante" aufkommt. Überhaupt geht das hier Gebotene weit über den Rahmen des üblichen "Laienspiels" hinaus. Dafür sorgen eben die professionellen Fachleute. Schließlich lässt auch der Ort der Aufführungen, die Bühne des Kölner Opernhauses, auf ein anspruchsvolles Niveau schließen, dem auch die Eintrittspreise notgedrungen sehr wohl angemessen sind.

Dem Zuschauer, der sich nicht desto weniger um die Eintrittskarten reißt, sollten nicht nur diese Zusammenhänge bewusst sein. Er sollte auch wissen, wie ungeheuer viel Idealismus den Mitwirkenden schon in der Probezeit abverlangt wird, um während der Spielzeit mehrere Abende in der Woche, sonntags auch zweimal, auf der Bühne zu glänzen.